Bericht vom 6. Februar 2001
Schwarzweissbild, 90 kBKonzentrierte Stille beim Kampf um den Ball
Blinde und Sehbehinderte kämpfen um den Ball: Am vergangenen Sonntag fand in Rheinfelden erstmals eine Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft im Torball statt. In der Schweiz ist es der einzige wettkampfmässig betriebene Mannschaftssport für Sehbehinderte.
Rheinfelden. res. "Ball okay", wenn der Schiedsrichter am Sonntag beim Torball diese Worte rief, folgte ein kurzer Applaus für das Tor. Und nur Sekunden später war in die Hallen des Engerfeldschulhauses in Rheinfelden wieder jene konzentrierte Stille eingezogen, welche allein durch die Glockenschnüre oder den Klingelball auf dem Spielfeld unterbrochen wurde. "Beim Torball ist die Ruhe während des Spiels sehr wichtig, denn durch das Gehör wird fast alles wahrgenommen", erklärte Peter Geiger an der Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft.
Der Rheinfelder ist Mitglied beim Behindertensport in Basel und hatte die Organisation der Qualifikationsrunden übernommen. Das Engerfeldschulhaus in Rheinfelden eigne sich vor allem, "weil man hier vom Lärm her sehr gut trennen kann" hielt Peter Geiger fest. Vor rund drei Jahren fand im Engerfeld einmal ein Freundschaftsspiel im Torball statt. Doch die Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft feierte in Rheinfelden am vergangenen Sonntag Premiere. Durchführender Verband war die Schweizerische Torballvereinigung, und neun Mannschaften mit jeweils drei bis sechs Spielern nahmen an den Qualifikationsrunden zur Schweizer Meisterschaft teil.
Reaktion und Körperbeherrschung.
In einer Vollrunde "Jeder gegen Jeden" wurde um den Einzug in die Zwischenrunde der besten Sechs gekämpft, welche am 17. März in Weggis stattfinden wird. Wiederum vier siegende Mannschaften werden am 28. April in Bern zur Finalrunde erwartet. Torball ist in der Schweiz der einzige wettkampfmässig betriebene Mannschaftssport für Blinde, dabei müssen gleichermassen Verteidigungs- und Angriffsaufgaben erfüllt werden. Eine Mannschaft setzt sich aus drei Spielern plus Auswechselspieler zusammen, und Dunkelbrillen ermöglichen, dass auch Sehbehinderte mit einem Sehrest mitspielen dürfen. "Wir haben uns entschieden, immer Augenpads plus Brille zu verwenden, damit alle Zweifel ausgeräumt sind", so Peter Geiger. Allein in der Schweiz kann pro Mannschaft sogar ein Vollsehender mitspielen, doch das kommt selten vor, wie ein Spieler der Basler Mannschaft bemerkte.
Glockenschnüre helfen mit.
Beim Spiel selbst geht es darum, den Ball in das gegnerische Tor zu schiessen. Zur Orientierung im Spielverlauf dienen verschiedene Faktoren. Zum einen sind es die drei in der Mitte des Feldes gespannten Glockenschnüre, weitere Geräusche kommen von dem 500 Gramm schweren Klingelball. Um die eigene Position zu bestimmen liegen in jedem Feld jeweils drei Matten aus. Die verteidigende Mannschaft versucht mit geschlossenen Abwehrlinien den Ball nicht über die Torlinie zu lassen. Dies erfordert neben einem feinen Gehör blitzschnelle Reaktion und Körperbeherrschung. "Wir schützen uns gut, doch sicher gibt es mal eine blaue Stelle", erzählte ein Spieler, und fügte humorvoll hinzu, "aber wenn dafür der Ball abgewehrt wurde, hat es sich wenigstens gelohnt."
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